ZERO WASTE - TIPPS FÜR EIN NACHHALTIGERES LEBEN

- neue, uneigennützige Service-Rubrik für meine Leserinnen und Leser -

Wie ich nachhaltig Plastik aus meinem Leben verbannen, unnötigen Müll vermeiden und generell meinen ökologischen Fußabdruck minimieren kann, beginne ich nach Jahren der Sorglosigkeit zugegebenermaßen auch erst nach und nach zu entdecken.

 

Wie ihr bereits auf der Startseite erfahren habt, liegen mir Umwelt und Naturschutz schon immer am Herzen (so sehr, dass ich im Alter von zehn Jahren in meiner kindlichen Naivität aus eigenem Antrieb heraus einen Brief an Helmut Kohl nach Bonn geschrieben habe, damit er unter anderem was gegen die Rodung für die Startbahn West in Frankfurt tut – natürlich war das ebenso fruchtlos wie die größtenteils friedlichen Massenproteste. Alles was ich bekam, war eine Standardantwort voller Phrasen).

 

Allen guten Vorsätzen zum Trotz, in unserer Überflussgesellschaft ist man irgendwann so sehr im Konsumwahn gefangen, dass einem zum Beispiel meist gar nicht mehr auffällt, wie viel Müll man produziert, wo der überhaupt landet und was er anrichtet. Oder dass der Kauf von regionalem, saisongerechten Obst und Gemüse, statt zB. von weit her importieren Mangos und Avocados, klimatechnisch sinnvoller ist. Unter anderem.

 

Gut, dass da aktuell ein dringend überfälliges Umdenken stattfindet (wenn auch leider noch nicht in der breiten Masse), das auch mich wachgerüttelt hat.

Für mehr Infos ist hier ein sehr lesenswerter Artikel aus dem Medium "Der Freitag" namens "Das Plastik-Paradox" verlinkt. Darin wird verdeutlicht, dass der Kampf gegen die Plastikflut überfällig ist, aber nicht das größte Problem unserer Zeit außer acht lassen darf, den drohenden Klimawandel mit seinen zerstörerischen Folgen, bzw beides untrennbar miteinander verbunden ist und Folge von ungebremstem Konsum, Produktion und Wirtschaftswachstum.

 

Die Maßnahmen der Politik sind zu zögerlich und zeigen in Sachen "plastic ban" einen gefährlichen Trend auf, der sich abzeichnet: Der (immer noch zu halbherzigen) Plastikverbannung wird eine Umstellung des Materials der "Wegwerfartikel" wie zB. To-Go-Einmal-Kaffeebecher, hin zu sogenannten "umweltfreundlichen" Materialien folgen, was aber auch nicht die Lösung sein kann, weil bei Einmalgebrauch wertvolle pflanzliche Ressourcen wie Papier, Holz u. ähnl. noch weniger gewertschätzt und noch mehr verschwendet werden als bisher.

 

Eine Änderung des Konsumverhaltens, generelle Müllvermeidung, sowie Recycling und Upcycling (Wiederverwenden), wo es nur geht, wären sinnvoll, um nachhaltig was zu verändern. Und da ist nicht nur jede*r einzelne gefragt, sondern natürlich dringend auch Politik und Wirtschaft, auch was klimagerechte, bezahlbare Mobilität und eine schnellere Umstellung auf erneuerbare Energien angeht. In der Zwischenzeit versuche ich, als Teil der "zero waste"-Bewegung dauerhaft meinen Teil dazu beizutragen.  

 

Begleitet mich hier und auf Instagram dabei, wie ich euch Möglichkeiten vorstelle, mit einfachen, meist sogar kostengünstigeren Mitteln, Abfall zu reduzieren, Rohstoff-Ressourcen zu sparen, die Umwelt zu entlasten, und somit gesünder zu leben.

 

Das Meiste davon ist einfach ein "back to the roots", was man, bzw ich, aber auch erst wieder neu entdecken muss, wie zum Beispiel "Milchtankstellen" beim Bauern, "unverpackt"-Läden, in die man seine eigenen Behältnisse mitbringt (wie wahrscheinlich früher in den Tante Emma Läden oder auf dem Markt), Wasch-Stücke statt Shampoo in Plastikflaschen, aber auch ganz neue Produkte (zumindest hierzulande) für die zero-waste Monatshygiene.

 

(Hinweis: Die Seitenverlinkungen sind nicht als kommerzielle Werbung zu sehen, sondern als informative Empfehlung. Ich erhalte kein Geld von den verlinken Firmen und kooperiere nicht geschäftlich mit ihnen. Für mehr Infos verweise ich auf die Datenschutzerklärung.)


Tipp Nr 1: Milchtankstellen

 

Natürlich wäre eine vegane Ernährung tier-ethisch und ökologisch am sinnvollsten, aber ganz ehrlich: Auf etwas Milch in meinem morgendlichen Haferflockenmüsli möchte ich aufgrund der Nährstoffe und des Geschmacks ungern verzichten. Pflanzliche Alternativen wie Sojadrinks sind aufgrund des klimaschädlichen Anbaus, der Verpackung und der langen Transportwege ja auch keine Lösung.

Um dennoch sparsam mit der Kuhmilch umzugehen, "strecke" ich sie ab und zu mit selbstgemixtem Haferdrink aus Haferflocken (Rezept auf smarticular.net), aber das ist ja auch nicht jedermanns Sache, zB. zeit- oder geschmacksbedingt.

  

An Milchtankstellen könnt ihr frische Rohmilch direkt auf dem Bauernhof in euer eigenes Behältnis zapfen. Oft gibt es vor Ort leere Glasflaschen zu kaufen, die immer wiederbefüllt werden können.

Damit spart ihr nicht nur jede Menge Tetrapackmüll und Glasressourcen (die Glasherstellung, Transport und das Recycling sind enorme Energiefresser), sondern unterstützt die Landwirte in eurer Region und erhaltet zudem ein Naturprodukt, das mehr Vitamine enthält und zudem erfahrungsgemäß sogar für vermeintlich Laktoseintolerante wie mich verträglicher sein kann als industriell verarbeitete Milch. Warum das so ist, könnt ihr auf der Website des Bornhofes nachlesen.

Eine Karte zu Milchtankstellen zB. in Hessen gibt es zum Download auf der Seite des Landwirtschafts-Landesbetriebes Hessen. Ansonsten einfach Google befragen (bzw. die ökologische Alternative Ecosia). 

 


Tipp Nr 2:

Bio-Körperpflege ohne Plastikverpackung, ohne Palmöl und ohne Silikone/Parabene

 

Feste Shampoo-Stücke gibt es mittlerweile von mehreren Anbietern. Als ehemals selbstständige Naturkosmetikerin mit sensibler Haut kann ich zum Beispiel die handgefertigten Produkte der sympathischen Heilbronner Rosenrot-Manufaktur nach eigenem Test bezüglich Inhaltsstoffen, Verträglichkeit, Handhabung und Wirkung sehr empfehlen. Sie haben bei mir im Bad schon längst die Plastikflaschen abgelöst. Darüber hinaus spart man sogar Geld, da die Shampoo- und Shower-Bits, sowie feste Haar-Conditioner durch ihre konzentrierte Form deutlich ergiebiger sind als ihre mit Wasser und schädlichen Silikonen angereicherten Pendants in Plastikverpackung.

Das gilt auch für Stückseifen, die ich neuerdings statt Flüssigseife verwende, und zur Gesichtsreinigung. Die darin enthaltenen Öle pflegen und beruhigen sogar (Achtung, bei herkömmlichen Seifen auf die Inhaltsstoffe achten, oft sind Palmölderivate drin. Rosenrotseifen sind aber frei von Palmöl).

 

Klimafreundlich wäre natürlich, das Ganze nicht mit der Post kommen zu lassen, sondern wenn irgend möglich vor Ort in einem Unverpackt-Laden oder in einem Manufaktum-Shop zu kaufen (mehr Infos auf der Rosenrot-Webseite), aber wenn ihr keinen in der Nähe habt, ist die Post die bessere Lösung, als lange Anfahrtswege mit dem eigenen Auto.   


Tipp Nr 3: Unverpackt-Läden

 

Gibts mittlerweile in fast allen größeren Städten. Hatte ich ja schon erwähnt in Bezug auf verpackungsfreie Körperpflege. Natürlich findet man dort aber auch alles Nötige an losen Lebensmitteln, was man braucht. Genug Behältnisse mitbringen!

 

Allerdings ist das hier auf dem Land leider keine Option, denn zu viele klimaschädliche Autofahrten in die nächstgelegenen Großstädte Wiesbaden und Mainz möchte ich vermeiden, aber das System "öffentliche Verkehrsmittel" krankt noch immer daran, dass selbige deutlich teurer sind als Sprit auf der Strecke. Vielleicht gibt es da ja mal irgendwann ein Umdenken, bzw. Förderung der Öffentlichen. Für die schlechten Luft-Messwerte in Wiesbaden wäre es zumindest die ideale Lösung.

 

Anbei sind jedenfalls die zwei mir am nächsten gelegenen Unverpackt-Läden verlinkt, denn das Konzept sollte man unbedingt unterstützen, wie ich finde. Zusätzlich warten die Mainzer noch mit einer lesenswerten Info über die Auswüchse der Plastikindustrie auf.

Eine ziemlich ausführliche Deutschland/Europa-Liste von Unverpackt-Läden hat wastelandrebel angelegt.  

Wiesbaden
Wiesbaden

Tipp Nr 4: Bioladen

 

Zu den klassischen, kleinen Naturkostläden habe ich eine besondere Beziehung, weil ich mal eine Weile in einem gearbeitet habe (Rödelheimer Naturkostmarkt in Frankfurt/Main, heute Biomarkt Picard) und diese Zeit in guter Erinnerung habe. Der Geruch und die Atmosphäre sind für mich wie nach Hause kommen. So geht es mir zum Teil auch mit den Ketten wie Alnatura und Denn`s, aber noch viel mehr mit den kleinen, urigen wie die "Sonnenblume" in Geisenheim/Rheingau, die ohnehin unsere unbedingte Unterstützung brauchen, damit die Bioladen-Ketten (die oft unethische Arbeitsbedingungen haben) ihnen nicht den Garaus machen.

Hier bekommt man außer Naturkost und Naturkosmetik (einiges davon mittlerweile sogar unverpackt) frisches, regionales Obst und Gemüse, Biokäse und einiges mehr.

Alternative für regionale Frische, falls es in eurem Umkreis keinen Biomarkt gibt: Wochenmärkte!


Tipp Nr 5: Monatshygiene

 

In Sachen Mens-Tassen, waschbare Binden und Co. zu vergleichsweise günstigen Preisen wurde ich im Online-Shop des hessischen Familienunternehmens Blumenkinder, ansässig im schönen Taunus, fündig. Vorteil: Kurze Transportwege und bezahlbare Investitionen, die sich lohnen, um nicht nur einen Haufen Müll zu sparen, sondern auch langfristig Geld für Binden, Tampons und Slipeinlagen.

Außerdem findet man bei Blumenkinder zu moderaten Preisen ua. alles für einen nachhaltigen Haushalt sowie Stoffwindeln.


Nachfolgend ein paar kleine Ideengeber, die man günstig, ohne Aufwand und meist sogar kostensparend umsetzen kann (werden regelmäßig ergänzt, sobald ich neue Infos für euch, und mich, entdeckt habe):

 

Einfrieren:

Statt Gefrierbeutel aus Plastik: Normale Schraubgläser von leeren Obstkonserven, ehemalige Gurkengläser, etc. (bei Flüssigkeiten genug Platz lassen und nicht zu fest verschrauben, damit das Glas bei Ausdehnung nicht springt). Brot und Brötchen kommen bei Bedarf gut verpackt im dicht gewebten Stoffbeutel (zB saubere Baumwoll-Einkaufstasche) in das Eisfach (gut und gerne bis zu einigen Wochen).

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass diese Möglichkeiten bis vor Kurzem noch völlig neu für mich waren. Dank früherer "Gefrierbrand"-Schockwerbungen im TV sowie dem Mythos "Glas platzt immer im Eisfach" ist bis jetzt für mich gar nichts anderes in Frage gekommen als Plastikgefrierbeutel und Plastikbehälter zum Einfrieren. Bis ich mich nun dank der zero-waste-Bewegung schlau gemacht und festgestellt habe, wie unnötig abhängig man sich vom Plastik hat machen lassen, und dass es bei richtiger Handhabung gute Alternativen gibt.

 

Abfall:

Statt Abfallbeutel aus Plastik: Restmüll in Zeitungspapier einpacken (auch Biomüll, denn das sogenannte Bioplastik löst sich nicht auf und muss von Hand aussortiert werden), bzw. Abfalleimer einfach mit Zeitungspapier auslegen. Wenn man anfängt, mehr darauf zu achten, was man wegwirft, und dabei kurz überlegt, ob es dafür eine nachhaltige Alternative gibt, reduziert sich der Müll erfahrungsgemäß aber ohnehin schnell.

 

Wer noch tiefer in die Materie eintauchen möchte, dem empfehle ich, nach den mittlerweile zahlreichen, sehr guten Blogs und Seiten zu googeln, die zero waste zum Thema haben, wie zum Beispiel "Utopia" , sowie die bereits oben verlinkten "Smarticular" und "Wasteland Rebel"-Seiten. Dort gibt es Profi-Tipps zur ultimativen Müllvermeidung und auch nachhaltige Do-it-yourself-Rezepte ua. für Küche, Haushalt, Haut und Haar.

 

Was man noch wissen sollte: Für eine komplette Umstellung muss man leider im Moment noch (vergleichsweise) ein wenig mehr Geld einplanen für Bambus- und Holzzahnbürsten. Damit tue ich mich unter anderem deswegen noch schwer, zumal ich eine hundertprozentig abbaubare, nachhaltige und dennoch bezahlbare Alternative zur Plastikzahnbürste noch nicht wirklich gefunden habe. Die Borsten sind trotzdem meist aus schwer abbaubarem, wenn auch teilweise biologischen Kunststoff oder Nylon, und dass ich Holz als Material für Wegwerfprodukte nicht gutheiße, habe ich ja oben schon erwähnt.

Am ehesten kämen für mich wohl die Zahnbürsten von "Bambusliebe" in Frage, denn nur dort gibt es sie in dem von mir bevorzugten Härtegrad, in Wellenform und in vergleichsweise günstigen Sparpacks, sowie eine vegane Zahnseide auf pflanzlicher Basis (für die keine Seidenraupen sterben mussten wie bei anderer Bio-Zahnseide, und kein Nylon verwendet wurde wie bei herkömmlicher Zahnseide).

Bambus ist ein schnell nachwachsender Rohstoff, für dessen Ernte nicht die ganze Pflanze gefällt werden muss, sondern nur gekappt, und dann weiterwächst. Ein eindeutiger Pluspunkt. Das Material kommt zwar von weit her, aber weite Transportwege haben wir ja derzeit für aus Erdöl gewonnenes Plastik auch, bzw für den Rohstoff an sich, mangels Ölfeldern vor der Haustür.  

 

Auf jeden Fall werde ich euch auf dem Laufenden halten über meine weiteren Schritte in ein nachhaltigeres Leben. Ich freue mich, wenn ihr mich dabei begleitet :-)